Drei Angebote für dieselbe Praxis-Website können um ein Vielfaches auseinanderliegen – und das billigste ist nicht selten das teuerste, weil Ihnen am Ende weder die Domain noch die Inhalte gehören. Dieser Artikel ordnet die Kosten ein, ohne einen Preisspiegel vorzutäuschen, den es nicht gibt, nennt die Kriterien, mit denen Sie Anbieter vergleichen können, und beschreibt die Vertragsfallen, die Praxen am häufigsten treffen. Er beginnt mit einer Aufgabe, die in fast jedem Briefing fehlt: Ihre Website hat zwei Zielgruppen.
Eine Website, zwei Zielgruppen: Patienten und Bewerber
Für Patienten ist der Auftrag schnell beschrieben: Die Seite soll bei Google gefunden werden, Leistungen und Öffnungszeiten zeigen, den Weg zum Termin kurz halten und auf dem Handy sauber funktionieren. Das können viele Agenturen, und danach werden Angebote üblicherweise auch kalkuliert.
Der zweite Auftrag taucht in den wenigsten Gesprächen auf: Ihre Website ist zugleich Ihre Bewerbungsmappe als Arbeitgeber. Therapeutinnen und Therapeuten, die über einen Wechsel nachdenken, schauen sich eine Praxis online an, bevor sie Kontakt aufnehmen – wer arbeitet dort, wie ist die Termintaktung, gibt es ein Fortbildungsbudget, wie wirkt das Team? Finden sie darauf keine Antworten, ziehen sie weiter, ohne dass Sie je davon erfahren. Wie viele Bewerbungen auf diese Weise gar nicht erst entstehen, haben wir in einem eigenen Beitrag beschrieben: Keine Bewerbungen? Viele bewerben sich gar nicht erst.
Dazu kommt der Bewerbungsweg selbst. Wie selbstverständlich digitale Bewerbungen inzwischen sind, zeigt eine Befragung des Digitalverbands Bitkom unter 852 Unternehmen ab drei Beschäftigten: Praktisch alle ermöglichen die digitale Einreichung von Bewerbungsunterlagen (Stand: 2025). Eine Praxis, deren Karriereseite aus einer info@-Adresse besteht, tritt gegen diesen Standard an.
Für die Agenturauswahl folgt daraus die erste Weiche: Ein Anbieter, der nur eine schöne Patientenseite plant, löst die Hälfte Ihres Problems – und die andere Hälfte ist die, an der Praxen derzeit am meisten leiden.
Was die Website marktüblich kostet: drei Wege, drei Preislogiken
Vorweg eine unbequeme Auskunft: Für Website-Preise gibt es keine amtliche Statistik und keine unabhängige Erhebung. Jede Tabelle, die Ihnen exakte Preise für „die Praxis-Website” verspricht, stammt aus dem Marketing eines Anbieters. Die folgenden Größenordnungen sind marktüblich, aber ohne belastbare Erhebung – nehmen Sie sie als Orientierung, nicht als Preisliste.
Der Baukasten: geringe Gebühr, hohe Eigenleistung
Baukasten-Systeme kosten eine Monatsgebühr im überschaubaren Rahmen, die Hauptwährung ist Ihre eigene Zeit: Texte schreiben, Fotos besorgen, Struktur bauen, rechtliche Pflichtseiten pflegen. Für eine Übergangslösung kann das genügen. Zwei Schwächen bleiben: Das Ergebnis sieht häufig nach Eigenbau aus, was auf Bewerber genauso wirkt wie auf Patienten. Und der Karrierebereich, der Wechselwillige überzeugt, entsteht im Baukasten fast nie – dafür fehlen einem Praxisinhaber im Regelfall Zeit und Erfahrung, nicht der Wille.
Der Freelancer: nachvollziehbare Stundensätze, offene Verfügbarkeit
Die verlässlichste Zahl in diesem Markt liefert der Freelancer-Kompass des Projektportals freelancermap: Der durchschnittliche Stundensatz von Freelancern im deutschsprachigen Raum liegt bei 103 Euro (Stand: 2026), über alle Fachrichtungen hinweg. Wie viele Stunden eine Praxis-Website braucht, erhebt dagegen niemand systematisch. Setzt man für Konzept, Design, Umsetzung und Abstimmungen 30 bis 60 Stunden an – eine Annahme, keine Statistik –, landet ein Freelancer-Projekt grob zwischen 3.000 und 6.000 Euro.
Der Preis ist oft fair, das Risiko liegt woanders: Sie kaufen eine einzelne Person. Fällt sie aus, wechselt sie die Branche oder ist sie in zwei Jahren ausgebucht, steht Ihre Seite ohne Betreuung da. Prüfen Sie außerdem, ob Texte und Fotos im Angebot enthalten sind – bei Stundensatz-Angeboten sind sie es häufig nicht, und ohne sie bleibt die Seite ein leeres Gerüst.
Die Agentur: der breiteste Korridor
Agenturangebote für einen vollständigen Praxisauftritt bewegen sich marktüblich vom mittleren vierstelligen bis in den fünfstelligen Bereich – auch hier ohne belastbare Erhebung. Die Spanne hat Gründe: Ob Texte, Fotoproduktion, Suchmaschinenarbeit, ein durchdachter Karrierebereich und die spätere Pflege enthalten sind, verändert den Aufwand um ein Mehrfaches. Vergleichen Sie deshalb nie Endpreise, sondern Leistungslisten.
Misstrauisch sollten Sie bei Angeboten werden, die weit unter diesem Korridor liegen. Eine vollständige Website mit Texten, Fotos und Betreuung lässt sich zu einem Bruchteil dieser Kosten nicht seriös produzieren – dort beginnt in vielen Fällen das Mietmodell, dazu gleich mehr.
Auswahlkriterien: sechs Fragen an jede Agentur
1. Fragt sie nach Ihren Zielen als Arbeitgeber? Eine gute Agentur will im Erstgespräch wissen, ob Sie Personal suchen, und plant den Karrierebereich von Beginn an mit. Kommt das Thema nicht vor, müssen Sie es später teuer nachrüsten.
2. Zeigt sie Referenzen, die Sie prüfen können? Lassen Sie sich laufende Projekte nennen, öffnen Sie drei davon auf dem Handy und stellen Sie sich die Frage eines Bewerbers: Würde ich hier arbeiten wollen?
3. Ist der Leistungsumfang schriftlich und verständlich? Texte, Fotos, Anzahl der Unterseiten, rechtliche Pflichtseiten, Korrekturschleifen – alles, was nicht im Angebot steht, kostet später extra. Ein Angebot voller Fachbegriffe ohne Erklärung ist ein Hinweis darauf, wie die Zusammenarbeit laufen wird.
4. Regelt der Vertrag das Eigentum? Domain auf die Praxis registriert, Nutzungsrechte an Texten und Bildern, Zugänge in Ihrer Hand, Herausgabe aller Daten bei Vertragsende. Fehlt einer dieser Punkte, fragen Sie nach – und werten Sie ausweichende Antworten als Ergebnis.
5. Ist die Pflege getrennt ausgewiesen und kündbar? Laufende Betreuung ist legitim und sinnvoll. Sie muss aber als eigene Position erscheinen und kündbar sein, ohne dass die Website mitverschwindet.
6. Wie sieht der Bewerbungsweg aus? Fragen Sie, wie sich ein Interessent von seinem Handy aus bewirbt. Die Antwort „per E-Mail” genügt nicht mehr – ein kurzes Formular mit wenigen Feldern ist der Stand der Dinge.
Die Fallen: drei rote Flaggen im Angebot
Rote Flagge 1: das Mietmodell ohne Eigentum
Das Muster: keine oder eine geringe Anschaffungssumme, dafür eine Monatsrate, in der Hosting, Pflege und „die Website selbst” stecken. Domain, Design und oft auch die Texte bleiben Eigentum des Anbieters. Sie kaufen keine Website, sondern das Recht, sie zu benutzen.
Damit bauen Sie auf gemietetem Grund: Jede gute Google-Platzierung, jede Verlinkung, jede Bewertung, die auf diese Adresse zeigt, gehört wirtschaftlich dem Vermieter. Kündigen Sie, verschwindet die Seite – und mit ihr die Auffindbarkeit, die über Jahre gewachsen ist. Rechnen Sie außerdem nach: Eine moderate Monatsrate summiert sich über vier oder fünf Jahre auf Beträge, für die Sie eine eigene Seite hätten kaufen können, die danach noch da wäre.
Mietmodelle sind nicht per se unseriös – als bewusste Entscheidung mit klarem Ausstiegsszenario können sie für eine Gründungsphase passen. Zur Falle werden sie, wenn der Vertrag das Eigentum verschweigt und der niedrige Einstiegspreis die einzige Verkaufsstory ist.
Rote Flagge 2: Template-Massenware
Manche Anbieter verkaufen dieselbe Vorlage an Dutzende Praxen und tauschen Logo, Farben und Ortsnamen. Für Patienten ist das ärgerlich, für die Personalgewinnung ruinös: Ein Bewerber, der drei Praxen vergleicht und dreimal dieselben Stockfotos mit denselben Floskeln sieht, kann keinen Grund erkennen, sich ausgerechnet bei Ihnen zu melden. Der Test ist einfach: Schauen Sie sich fünf Referenzen des Anbieters nebeneinander an. Wenn Sie die Praxen verwechseln könnten, wird es Bewerbern genauso gehen.
Rote Flagge 3: kein mobiler Bewerbungsweg
Viele Angebote führen „Karriere-Unterseite” als Position – gemeint ist eine Seite mit Stellenanzeige und E-Mail-Adresse. Damit endet der Bewerbungsweg dort, wo er anfangen sollte: Wer abends auf dem Sofa vom Handy aus Interesse hat, schreibt keine formelle Mail mit Anhängen. Ein Karrierebereich braucht echte Einblicke ins Team und einen Weg, der in wenigen Minuten vom Smartphone aus funktioniert. Warum eine Karriereseite ohne diese Substanz zum teuersten blinden Fleck der Praxis wird, zeigt unsere Analyse dazu.
Das Eigentums-Argument: die Seite muss dem Betrieb gehören
Eine Website ist kein Verbrauchsgut, sondern ein Betriebsvermögen, das mit der Zeit an Wert gewinnt: Die Domain sammelt Vertrauen bei Google, Patientenbewertungen und Verzeichniseinträge verweisen auf sie, Bewerber finden sie über Jahre unter derselben Adresse. Dieses gewachsene Kapital gehört demjenigen, der als Inhaber im Vertrag und in der Domain-Registrierung steht.
Bestehen Sie deshalb auf vier Punkten, bevor Sie unterschreiben: die Domain registriert auf die Praxis, nicht auf die Agentur; volle Nutzungsrechte an allen Texten, Fotos und Gestaltungselementen; eigene Zugänge zu Verwaltung und Hosting; die Pflicht zur vollständigen Datenherausgabe bei Vertragsende. Ein seriöser Anbieter unterschreibt alle vier ohne Zögern – Eigentum des Kunden kostet ihn nichts, es nimmt ihm nur das Druckmittel.
Der Vollständigkeit halber: Blacklyne Recruiting baut solche Arbeitgeber-Auftritte selbst – als Teil der Stellenbesetzung mit Besetzungsgarantie, und die fertige Präsenz geht in das Eigentum des Betriebs über. Wir haben also eine Position in diesem Markt; die Prüfpunkte oben gelten trotzdem für jeden Anbieter, uns eingeschlossen. Wenn Sie den Karrierebereich Ihrer Praxis von Spezialisten erstellen lassen möchten, sehen Sie dort, wie wir dabei vorgehen.
Vor der Unterschrift
Die Kostenfrage lässt sich ehrlich nur so beantworten: Es gibt keine belastbare Marktstatistik, aber klare Größenordnungen – Baukasten mit hoher Eigenleistung, Freelancer grob im mittleren vierstelligen Bereich, Agentur darüber, je nach Umfang. Teurer als jede dieser Varianten ist eine Seite, die Ihnen nicht gehört oder die Bewerber ignoriert.
Prüfen Sie deshalb vor der Unterschrift drei Dinge: Steht die Praxis als Eigentümerin von Domain und Inhalten im Vertrag? Ist der Karrierebereich mit mobilem Bewerbungsweg Teil des Angebots? Und können Sie die Referenzen des Anbieters auf dem Handy ansehen, ohne sie zu verwechseln? Wer diese drei Fragen stellt, sortiert den größten Teil der schwachen Angebote aus – vor dem ersten bezahlten Euro.
Häufige Fragen
5 FragenWas kostet eine Website für eine Physiotherapie-Praxis?
Eine amtliche Statistik über Website-Preise für Praxen existiert nicht. Marktüblich sind drei Größenordnungen: Baukästen kosten eine überschaubare Monatsgebühr plus viel Eigenzeit. Freelancer rechnen nach Stunden ab – der Durchschnittssatz liegt laut Freelancer-Kompass bei 103 Euro pro Stunde (Stand: 2026), womit ein Praxisprojekt grob im mittleren vierstelligen Bereich landet. Agenturen bewegen sich je nach Umfang vom mittleren vierstelligen bis in den fünfstelligen Bereich. Auffällig günstige Angebote sind häufig Mietmodelle ohne Eigentum.
Woran erkenne ich eine gute Agentur für die Praxis-Website?
An den Fragen, die sie stellt: Eine gute Agentur will wissen, ob die Seite auch Personal gewinnen soll, und plant den Karrierebereich von Anfang an mit. Dazu kommen Referenzen aus dem Gesundheitswesen, die Sie mobil prüfen können, ein schriftlich geregelter Leistungsumfang inklusive Texten und Fotos sowie ein Vertrag, der Domain, Inhalte und Zugänge der Praxis zuordnet.
Was ist ein Website-Mietmodell und welche Nachteile hat es?
Beim Mietmodell zahlen Sie keine oder eine geringe Anschaffungssumme, dafür eine laufende Monatsrate – und Domain, Design und oft auch die Inhalte bleiben Eigentum des Anbieters. Kündigen Sie, verschwindet die Seite samt Internetadresse und der über Jahre aufgebauten Auffindbarkeit bei Google. Über die Laufzeit übersteigen die Raten den Preis einer gekauften Seite häufig deutlich, ohne dass am Ende ein Wert bei Ihnen bleibt.
Warum muss die Praxis-Website auch Bewerber ansprechen?
Weil wechselwillige Therapeutinnen und Therapeuten eine Praxis online prüfen, bevor sie sich melden. Finden sie kein Team, keine Angaben zu Arbeitszeiten und keinen einfachen Bewerbungsweg, endet das Interesse, bevor eine Bewerbung entsteht – ohne dass Sie davon erfahren. Eine Seite, die nur Patienten anspricht, erledigt die Hälfte ihrer Aufgabe.
Muss die Domain auf die Praxis registriert sein?
Ja. Die Domain ist die Adresse, unter der Patienten und Bewerber Sie finden und die Google über Jahre mit Ihrer Praxis verknüpft. Ist der Anbieter als Inhaber registriert, gehört ihm diese Adresse – bei einem Wechsel oder Streit können Sie sie verlieren. Lassen Sie sich die Registrierung auf die Praxis und die Herausgabe aller Zugänge schriftlich zusichern.
283+ Betriebe vertrauen der Blacklyne-Gruppe - darunter Rehazentrum Offenburg, Carsten Hahn Physiotherapie, Werner & Hübner.
„Blacklyne Recruiting hat unsere komplette Online-Darstellung als Arbeitgeber neu gebaut - und plötzlich kamen die richtigen Leute.“Falko Werner, Inhaber · Werner & Hübner