Wie viele Physiotherapeuten fehlen in Deutschland? Die Zahlen
Die kurze Antwort zuerst: In der Physiotherapie fehlen in Deutschland rund 11.600 Fachkräfte - so beziffert es das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) für den Jahresdurchschnitt 2023/24. Eine ausgeschriebene Stelle bleibt im Schnitt 304 Tage unbesetzt, also rund zehn Monate (Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Stand: 02/2026). Und auf jeden arbeitslos gemeldeten Physiotherapeuten kommen rechnerisch 2,61 offene Stellen.
Wer eine Praxis führt, kennt das Gefühl hinter diesen Zahlen längst: Die Anzeige läuft, die Wochen vergehen, die Bewerbungen bleiben aus. In diesem Beitrag ordnen wir die wichtigsten Statistiken ein - mit Quellen - und zeigen, was sie konkret für Ihre Praxis bedeuten.
Die wichtigsten Zahlen im Überblick
- 11.584 fehlende Physiotherapeuten im Jahresdurchschnitt 2023/24 - das entspricht 24,5 Prozent der gesamten Fachkräftelücke im Gesundheitswesen (Quelle: KOFA, 2024)
- 304 Tage Vakanzzeit im Jahr 2025 - nach 280 Tagen im Jahr 2024 und 253 Tagen im Jahr 2023 (Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Stand: 02/2026)
- 2,61 offene Stellen pro arbeitslosem Therapeuten (Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Stand: 02/2026)
- 2,7 von 3 Engpass-Punkten in der Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit - einer der höchsten Werte aller untersuchten Berufe (Quelle: BA-Fachkräfteengpassanalyse 2024, veröffentlicht 05/2025)
- Rund 169.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Physiotherapeuten gab es 2024 in Deutschland (Quelle: Bundesagentur für Arbeit, 2024)
Jede dieser Zahlen erzählt einen Teil derselben Geschichte. Schauen wir sie einzeln an.
11.600 fehlende Fachkräfte - und warum die echte Lücke größer sein dürfte
Das KOFA, ein Projekt des Instituts der deutschen Wirtschaft, berechnet die Fachkräftelücke aus den bei der Arbeitsagentur gemeldeten offenen Stellen und den passend qualifizierten Arbeitslosen. Für die Physiotherapie ergab das im Jahresdurchschnitt 2023/24 eine Lücke von 11.584 Fachkräften. Kein anderer Beruf trägt so stark zur Fachkräftelücke im Gesundheitswesen bei - fast jeder vierte fehlende Kopf in der Branche ist ein Physiotherapeut.
Wichtig für die Einordnung: Diese Rechnung erfasst nur Stellen, die der Arbeitsagentur überhaupt gemeldet wurden. Viele Praxisinhaber haben diesen Weg längst aufgegeben, schreiben nur noch auf der eigenen Website aus oder suchen ausschließlich über persönliche Kontakte. Diese Stellen tauchen in keiner Statistik auf. Die tatsächliche Lücke liegt also mit hoher Wahrscheinlichkeit über dem offiziellen Wert - wie weit, lässt sich seriös nicht beziffern.
Für die Zukunft kommt der demografische Wandel dazu, und zwar von beiden Seiten: Die Zahl älterer Menschen mit Therapiebedarf wächst, während gleichzeitig geburtenstarke Jahrgänge unter den Therapeuten in den Ruhestand gehen. Die Nachfrage steigt, das Angebot schrumpft. Eine Entspannung ist aus heutiger Sicht nicht in Sicht.
304 Tage: So lange bleibt eine Physio-Stelle unbesetzt
Die vielleicht greifbarste Zahl ist die Vakanzzeit - die Spanne zwischen dem gewünschten Besetzungstermin und der tatsächlichen Besetzung einer gemeldeten Stelle. In der Physiotherapie lag sie 2025 bei durchschnittlich 304 Tagen (Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Stand: 02/2026).
Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt die Richtung:
- 2023: 253 Tage
- 2024: 280 Tage
- 2025: 304 Tage
Innerhalb von zwei Jahren ist die Besetzungsdauer um mehr als 50 Tage gestiegen. Zum Vergleich: Über alle Berufe hinweg gelten Vakanzzeiten deutlich über dem Gesamtdurchschnitt bereits als Engpass-Signal. Die Physiotherapie liegt nicht knapp darüber, sondern in einer eigenen Liga - eine Stelle, die heute frei wird, ist im statistischen Mittel erst in zehn Monaten wieder besetzt.
Und das ist der Durchschnitt. Er enthält auch die Praxen, die schnell besetzen, weil sie als Arbeitgeber sichtbar und attraktiv auftreten. Wer auf eine Portal-Anzeige und Abwarten setzt, liegt schnell darüber.
2,61 offene Stellen pro arbeitslosem Therapeuten
Die zweite Kennzahl der Bundesagentur für Arbeit beschreibt das Kräfteverhältnis am Markt: Auf jeden arbeitslos gemeldeten Physiotherapeuten kommen 2,61 gemeldete offene Stellen (Stand: 02/2026).
Praktisch heißt das: Ein Therapeut, der den Arbeitgeber wechseln möchte, muss sich nicht bewerben im klassischen Sinn. Er wählt aus. Die Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur bestätigt dieses Bild - die Physiotherapie erreicht dort 2,7 von 3 möglichen Engpass-Punkten und gehört damit zu den am stärksten betroffenen Berufen überhaupt (Quelle: BA-Fachkräfteengpassanalyse 2024).
Diese Umkehrung ist der Kern des Problems, und sie erklärt, warum Rezepte aus früheren Jahren nicht mehr funktionieren. Eine Stellenanzeige zu schalten und auf Bewerbungen zu warten setzt voraus, dass es Menschen gibt, die aktiv suchen. Bei 2,61 offenen Stellen pro Arbeitslosem sind aktiv Suchende die Ausnahme. Die interessante Zielgruppe ist eine andere: Therapeuten, die angestellt sind, grundsätzlich offen für einen Wechsel - aber nicht auf Jobportalen unterwegs.
Bilden wir nicht einfach zu wenige aus?
Teilweise. Die Ausbildungszahlen entwickeln sich sogar leicht positiv: Im Schuljahr 2024/25 stieg die Zahl der Schüler in der Physiotherapie-Ausbildung um 1,7 Prozent, die Zahl der Absolventen um 8,6 Prozent (Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Stand: 02/2026).
Nur reicht das nicht, um die Lücke zu schließen. Dem Zuwachs stehen drei Effekte gegenüber, die ihn auffressen: der steigende Therapiebedarf einer alternden Bevölkerung, die Ruhestandswelle in der Berufsgruppe selbst und eine hohe Teilzeitquote, die aus Köpfen weniger Behandlungsstunden macht. Dazu kommt, dass ein Teil der Ausgebildeten dem Beruf nicht dauerhaft erhalten bleibt - Vergütung, Arbeitsbelastung und begrenzte Entwicklungsmöglichkeiten werden von Verbänden seit Jahren als Gründe genannt.
Für die einzelne Praxis bedeutet das: Auf Entlastung durch den Ausbildungsmarkt zu hoffen, ist keine Strategie. Die Absolventen von morgen sind längst umworben, bevor sie ihr Examen in der Tasche haben.
Was diese Zahlen für Ihre Praxis konkret bedeuten
Zehn Monate Vakanz sind keine abstrakte Statistik. Eine unbesetzte Vollzeitstelle bedeutet zehn Monate lang Behandlungskapazität, die fehlt - Patienten, die abgewiesen oder vertröstet werden, Wartelisten, die wachsen, und ein Team, das die Lücke auffangen muss und dadurch selbst wechselanfälliger wird. Der wirtschaftliche Schaden einer einzigen unbesetzten Stelle übersteigt die Kosten jeder ernsthaften Recruiting-Maßnahme um ein Vielfaches.
Gleichzeitig lohnt ein zweiter Blick auf die Vakanzzeit: 304 Tage sind der Durchschnitt eines Marktes, in dem die meisten Praxen mit denselben Mitteln suchen - Portal-Anzeige, Aushang, Hoffnung. Wer anders vorgeht, konkurriert nicht mit allen, sondern spielt ein anderes Spiel. Die Stelle bleibt nicht deshalb zehn Monate offen, weil es im Umkreis keine Physiotherapeuten gibt. Sie bleibt offen, weil die wechselbereiten Therapeuten von dieser Praxis nie erfahren - oder beim ersten Blick auf ihren Online-Auftritt abspringen. Warum gerade dieser zweite Punkt so viel Budget kostet, haben wir im Beitrag Warum teure Bewerber-Anzeigen oft ins Leere laufen aufgeschlüsselt.
Was Praxen jetzt tun können
Aus den Zahlen ergeben sich drei nüchterne Konsequenzen.
Erstens: aktiv statt passiv suchen. Wenn auf einen Arbeitslosen 2,61 offene Stellen kommen, erreicht eine klassische Anzeige nur den kleinsten Teil des Marktes. Die angestellten, grundsätzlich wechseloffenen Therapeuten erreichen Sie dort, wo sie ohnehin täglich Zeit verbringen - in sozialen Netzwerken, mit einer Ansprache, die zeigt, warum sich der Wechsel zu Ihnen lohnt. Wie das systematisch funktioniert, zeigen wir auf unserer Seite Physiotherapeuten finden.
Zweitens: den eigenen Auftritt bewerbertauglich machen. Jeder Interessent, den eine Kampagne erreicht, prüft die Praxis online, bevor er sich meldet. Wirkt der Auftritt veraltet oder sagt er nichts darüber, wie es ist, dort zu arbeiten, versickert die teuer aufgebaute Aufmerksamkeit.
Drittens: früher anfangen, als es sich dringend anfühlt. Bei zehn Monaten durchschnittlicher Besetzungsdauer ist der richtige Zeitpunkt, sich um die Arbeitgeber-Sichtbarkeit zu kümmern, nicht der Tag der Kündigung - sondern deutlich davor. Die Praxen, die den Durchschnitt nach unten ziehen, haben ihre Sichtbarkeit aufgebaut, bevor die Lücke entstand. Dass der Mangel dabei kein reines Physio-Phänomen ist, sondern die gesamte Branche betrifft, zeigt unser Überblick zum Fachkräftemangel im Gesundheitswesen.
Fazit: Die Lücke ist real - der Stillstand nicht
Rund 11.600 fehlende Fachkräfte, 304 Tage Vakanzzeit, 2,61 offene Stellen pro Arbeitslosem: Der Physiotherapeuten-Mangel in Deutschland ist mit Zahlen belegt und wird sich absehbar nicht von selbst lösen. Was sich sehr wohl beeinflussen lässt, ist die Position der eigenen Praxis in diesem Markt. Zwischen zehn Monaten Vakanz und einer zügig besetzten Stelle liegt selten mehr Budget - sondern ein anderes Vorgehen.
Wenn Sie wissen möchten, wie Ihre Praxis in ihrer Region als Arbeitgeber wahrgenommen wird und wo Ihre größten Hebel liegen, sprechen Sie mit uns - in einem unverbindlichen Erstgespräch.
Häufige Fragen
5 FragenWie viele Physiotherapeuten fehlen aktuell in Deutschland?
Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) beziffert die Fachkräftelücke in der Physiotherapie auf 11.584 fehlende Fachkräfte im Jahresdurchschnitt 2023/24. Das ist knapp ein Viertel der gesamten Fachkräftelücke im Gesundheitswesen. Die tatsächliche Lücke dürfte höher liegen, weil viele Praxen offene Stellen gar nicht mehr bei der Arbeitsagentur melden.
Wie lange bleibt eine Physiotherapeuten-Stelle im Schnitt unbesetzt?
Laut Bundesagentur für Arbeit lag die Vakanzzeit in der Physiotherapie 2025 bei durchschnittlich 304 Tagen - also rund zehn Monaten. 2023 waren es noch 253 Tage, 2024 bereits 280. Die Besetzungsdauer steigt seit Jahren kontinuierlich an.
Ist Physiotherapeut ein Engpassberuf?
Ja. Die Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit stuft die Physiotherapie mit 2,7 von 3 möglichen Engpass-Punkten ein - einer der höchsten Werte aller rund 500 untersuchten Berufsgattungen. Auf jeden arbeitslos gemeldeten Physiotherapeuten kommen rechnerisch 2,61 offene Stellen.
Wird sich der Physiotherapeuten-Mangel in den nächsten Jahren entspannen?
Danach sieht es nicht aus. Die Zahl älterer Menschen mit Therapiebedarf steigt, während geburtenstarke Jahrgänge aus dem Beruf ausscheiden. Die Ausbildungszahlen wachsen zwar leicht, gleichen das aber nicht aus. Praxen sollten sich darauf einstellen, dass der Bewerbermarkt eng bleibt.
Was können Praxen tun, wenn kaum Bewerbungen kommen?
Warten und Anzeigen wiederholen funktioniert in einem Markt mit 2,61 offenen Stellen pro Arbeitslosem nicht mehr. Wirksam ist, wechselbereite Therapeuten aktiv dort zu erreichen, wo sie ihre Zeit verbringen - etwa über Social-Media-Kampagnen - und online als Arbeitgeber so aufzutreten, dass Interessenten nicht abspringen.
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